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Das Magazin aus dem Regine-Hildebrandt-Haus

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  • OSTKURVE 16Das Magazin aus dem Regine-Hildebrandt-Haus

    Nr. 13 27. Mai 2016

    Reicht meine RENTE?Wie die junge Generation in die Zukunft blickt

  • Ostkurve 16

    2

    Inhalt

    VERMISCHTES

    AKTUELLES

    TITEL

    8 1000 Tage Ministerprsident Die neue Landesre-gierung ist schon fast drei Jahre im Amt

    10 Worum sollen wir uns kmmern? Der Ortsverein Potsdam-West verteilt Dialogpostkarten

    11 Taschengeld fr Hecken ausgegeben Warum ein Mdchen in der Uckermark ein Projekt frdert

    15 Kampf um die Rathuser 4 Brgermeisterwahlen

    21 Brandenburger Kpfe Personalien aus der SPD

    4 Reicht meine Rente? Gerade jngere Menschen blicken mit Sorgen in die Zukunft

    7 Gleiche Renten in Ost und West! Der Beschluss des SPD-Landesvorstands im Wortlaut

    14 Kopfnoten fr die, die sie wirklich verdienen

    18 Auf einen Kaffee mit ... Ines Jesse

    20 Neumitglied des Monats Andrea Knig, Potsdam Mitte/Nord

    24 Ortsvereins-Liga Brandenburg Die 18 Grten

    WISSEN

    16 Fahrplan bis zur Bundestagswahl Forderungen fr die Zukunft Ostdeutschlands

    21 ber dunkle Kiefernwlder Brandenburger Wald

    22 Abenteuer Exkursion Wie Parteischler/-innen politische Orte erkunden

    1000 Tage Ministerprsident Brandenburg in guten Hnden eine Bilanz

    Seite 8

    Auf einen Kaffee mit Ines Jesse Neue Staatssekretrin im Infrastrukturministerium

    Seite 18

    Spannende OrteExkursionen der SPD-Parteischule

    Seite 22

  • Ostkurve 16

    3

    Schlaglichter sozialdemokratischer Geschichte

    Seit 1925 fr ein vereintes Europa

    Keine andere Partei in Deutschland hat sich so frh und so intensiv fr ein vereintes Euro-pa eingesetzt wie die SPD. Schon im Jahr 1925 beschlossen die Delegierten des Heidelberger Parteitages ein neues Grundsatzprogramm, in dem sie ihre Ziele zur internationalen Politik und Friedenspolitik festlegten. Im so genannten "Heidelberger Programm" forderten die Sozial-demokraten noch weit vor den Schrecken des Zweiten Weltkrieges die Bildung der "Vereinig-ten Staaten von Europa". Htte sich die Weit-sichtigkeit der SPD durchgesetzt, wre Europa unendliches Elend erspart geblieben.

    Liebe Leserinnen und Leser,

    das Streben nach sozia-ler Gerechtigkeit ist eine der Kernaufgaben der SPD. Dazu gehrt, dass Men-schen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, kei-ne Angst haben drfen, ih-ren Lebensabend in Armut zu verbringen. Deshalb ist es richtig, dass sich Sigmar Gabriel gegen die weitere Absenkung des Rentenni-veaus ausgesprochen hat. Es ist auch richtig, dass wir als SPD einer Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70, wie von Teilen der CDU gefordert, nicht zustimmen werden. Was wir brauchen, sind flexible Mglichkeiten, den Renteneintritt nach in-

    dividuellen Bedrfnissen zu gestalten. Ohne private Vor-sorge wird es angesichts des demografischen Wandels nicht gehen. Der Staat ist je-doch gut beraten, die Men-schen dabei nicht alleinzu-lassen. Zu unbersichtlich und zu unterschiedlich sind die zahlreichen Mglichkei-ten. Die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt erschwe-ren die Vorsorge zudem. Wir brauchen mehr Ordnung und mehr Verantwortung der Arbeitgeber bei der be-trieblichen Altersvorsorge.

    Eure

    Klara Geywitz Generalsekretrin

  • 4REICHT MEINE RENTE?Wie die junge Generation in die Zukunft blickt.

    Wer wei schon, wie sich seine wirtschaftliche und finanzielle Lage in den nchsten 40 oder 50 Jahren entwickeln wird? Na-trlich niemand. Gleichzeitig appelliert die Politik an junge Erwachsene, eigenstndig Vor-sorge fr das Alter zu treffen. Kann das gutgehen? Eine ak-tuelle Studie des Versorgungs-werkes MetallRente lsst da Zweifel aufkommen.

    Vor diese Herausforderungen war seit Bestehen der Bun-desrepublik Deutschland noch keine Generation gestellt. Wer heute jung ist, muss fr das ei-gene Alter vorsorgen, um am Lebensabend eine auskmm-liche Rente zu erhalten. Das neue Rentensystem, vor 15 Jah-ren von der rot-grnen Bundes-regierung eingefhrt, ist die

    Konsequenz der sich stark ver-ndernden Altersentwicklung in Deutschland. Immer weniger junge Menschen mssen fr im-mer mehr Menschen die Rente erwirtschaften. Anders gesagt: Fr immer mehr Menschen im Rentenalter steht immer weni-ger Geld zur Verfgung. Allein in den kommenden zwei Jahr-zehnten wird sich die deutsche Bevlkerung im Erwerbsalter von 20 bis 65 Jahren um rund 10 Millionen Menschen redu-zieren. Berechnungen sagen voraus, dass sich im Jahr 2060 ein Drittel der Bevlkerung im Rentenalter befinden. Heute sind es ca. 20 Prozent.

    Um die Finanzierung des Ren-tensystems zu sichern, wurde die Renteneintrittsgrenze von 65 auf 67 angehoben und eine

    staatliche Frderung der priva-ten Altersvorsorge eingefhrt ("Riester-Rente"). Auch betrieb-liche Renten sollen helfen, den Lebensabend heute junger Menschen zu finanzieren. Die ersten, die sich nach der Reform auf sprbare Abstriche beim gesetzlichen Teil der Rente ein-stellen mssen, sind die Jahr-gnge von 1970 bis 1985. Wer spter geboren wurde, wird ohne Eigenvorsorge gar nicht mehr im Alter auskommen.

    Die gute Nachricht vorweg: Jun-ge Menschen blicken seit Jah-ren optimistisch in die Zukunft. 53 Prozent der 17 bis 27-Jhrigen glauben an eine gute Zukunft Deutschlands. Beachtlich ist der Sprung bei der Sichtweise auf die persnliche Zukunft, diese bewerten sogar 95 Pro-

    Von jungen Menschen wird viel verlangt. Familiengrndung, Haushalt, Bildung, Beruf und dann noch die Altersversorgung. Kann das gutgehen? Oder berlasten wir eine Generation?

  • Ostkurve 16

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    zent mit gut oder sehr gut. Angesichts dieser Zahlen sollte man jedoch wissen, dass die jungen Menschen damit nicht meinen, ein-fach durchs Leben zu kom-men. Sie glauben vielmehr, in ihrem Leben mehr arbei-ten zu mssen und weniger Freizeit zu haben als ltere Generationen, um finanziell abgesichert zu sein.

    Die jungen Menschen wis-sen auch, dass aufgrund der rcklufigen Bevlkerungs-entwicklung die gesetzliche Rente allein nicht reichen wird, um einen guten Le-bensstandard zu erhalten. Gleichzeitig stellt sie das vor groe Herausforderun-gen. Denn mit dem Einstieg ins Berufsleben konkurrie-ren auch andere wichtige Lebensplne mit der Alters-vorsorge, etwa die Familien-grndung, Investitionen in den eigenen Haushalt oder in Weiterbildung. Sind Kin-der im Haushalt, steigen die Ausgaben noch viel deutli-cher an. Angesichts dieser notwendigen Kosten fllt es schwer, zustzlich und in ausreichendem Mae Al-tersvorsorge zu betrieben. Jeder Euro lsst sich eben nur einmal ausgeben. Und so kommt es, dass sich zwar fast die Hlfte der mittleren Generation (30-59 Jahre) mit der Altersvorsorge be-schftigt, aber eine groe

    Mehrheit viel zu gering privat vorsorgt.

    Die Grnde dafr sind vielfltig. So sind die Zinsen auf dem Ka-pitalmarkt derart zusammen-gebrochen, dass Kapitalanlagen ihre einstigen Versprechungen nicht einmal mehr im Ansatz einhalten knnen. Wenn Garan-tiezinsen unterhalb der jhrli-chen Inflationsrate liegen, macht Geldanlegen eben keinen Sinn. Und auch die staatlich gefr-derte "Riester-Rente" kann ihren Zweck nicht wie gewnscht er-fllen. Vielen jungen Menschen ist die enorme Zahl an unter-schiedlichen Programmen zu un-durchsichtig. Dabei hatte die Idee eigentlich Charme. Die staatlich gefrderte "Riester-Rente" soll-

    te den Einstieg ins neue System erleichtern und gerade Gering-verdienern die Altersvorsorge schmackhaft machen. Der Start gelang, viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entschlos-sen sich dafr, einen Vertrag ab-zuschlieen. Von 1,4 Millionen Riester-Vertrgen im Jahr 2001 stieg die Zahl auf 14,5 Millionen 2010 krftig an. Die weltweite Finanzkrise bremste diese Ent-wicklung. Heute gibt es rund 16,5 Millionen Riester-Vertrge. Al-lerdings lassen rund 20 Prozent aller Riester-Sparer ihren Ver-trag inzwischen wieder ruhen, weil ihnen die Rendite zu gering erscheint oder sie andere finan-zielle Verpflichtungen vorzie-hen mssen. Wachstum gibt es derzeit ausschlielich nur noch

    Was sagen 17-27-Jhrige zu folgenden Aussagen?

    Nur eine staatliche Frde-rung wrde Altersvorsorge lohnenswert machen

    Bei den niedrigen Zinsen lohnt private Altersvorsorge nur noch mit Immobilien

    Die niedrigen Zinsen fhren dazu, dass sich eigene Anstrengungen zur Altersvorsorge nicht mehr lohnen

    Bei den niedrigen Zinsen lohnt private Altersvorsorge nur noch mit Aktien

    stimme zu

    22%

    Quelle: TNS Infratest 2016

    61%

    50%

    48%

    Junge Menschen wnschen sich staatliche Renten-Frderung.

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    im "Wohn-Riester"-Segment. Besonders schwierig ist diese Situation fr Geringverdiener. Nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung sind der-zeit rund 14 Prozent der Bevl-kerung aufgrund ihrer geringen Einkommen und der mangeln-den Vorsorgemglichkeiten von Armut gefhrdet, Tendenz steigend. Frauen sind dabei be-sonders stark betroffen, weil sie bundesweit weniger beschf-tigt sind und unter geringeren Einkommen leiden. Leben sie allein, trifft die Armutsprogno-se noch eher.

    Vor diesem Hintergrund hat SPD-Chef Sigmar Gabriel an-gekndigt, das System der Al-terssicherung grundlegend reformieren zu wollen. Der Funke-Mediengruppe sagte er: "Das Niveau der gesetzlichen Rente darf nicht weiter sinken, sondern muss auf dem jetzigen Niveau stabilisiert werden." Zu-gleich bekrftigte der SPD-Chef die bereits in der Koalition ver-abredeten Plne fr eine soli-darische Lebensleistungsrente. Er sagte: "Wer 40 Jahre Vollzeit gearbeitet hat, muss mehr Ren-te bekommen als jemand, der das nicht gemacht hat."

    Reformieren wollen die Sozial-demokraten auch die Betriebs-renten. Diese werden vor allem fr junge Menschen immer be-deutsamer. Seit der Finanzkrise hat die Zahl der Betriebsrenten als einzige Alters-Anlageform an Attr